laurareinkens

Fußball.

Thank you for choosing Deutsche Bahn – Obwohl Sie es doch besser wissen müssten!

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Berlin, Alexanderplatz. Gegen 16 Uhr wollte ich mir eine Fahrkarte für die Strecke von Baden-Baden nach Berlin kaufen. Nein, eigentlich wollte ich nicht. Eigentlich hatte ich mir bereits vor Monaten geschworen, diesem Verein nie wieder Geld in den Rachen zu schmeißen.

 

Ich stolperte in das Reisezentrum, das auf den ersten Blick immer mehr Schalter verspricht, als es eigentlich besitzt, und stellte mich zunächst einem Lemming gleich bei brütender Hitze in die elegant durch das gesamte Zentrum geschwungene Schlange. Nach drei Sekunden kam mir das erste Mal „Jeder nur ein Kreuz“ in den Sinn. Nach sechs Sekunden suchte ich nach den Fahrkarten-Automaten vor dem Reisezentrum und wurde fündig, ein Mann rannte gerade überhastet davon.

 

„Glück muss man haben“, dachte ich und so sollte es beginnen. Fahrt ausgewählt, wieder obszöne Schimpfwörter in mich hinein brüllend, weil heutzutage Preise um 150 Euro für eine Fahrt mit Umstieg als „Sparpreis“ verkauft werden, Platz reserviert – Ruhezone oder Fenster, Ruhezone oder Fenster… Fenster – und meine Scheinchen wanderten in den Automaten, der daraufhin kein Wechselgeld und eine Vielzahl bis zur Unkenntlichkeit verschmierter Belege ausspie. „Am Arsch Poppes!“ Mein Blick muss diese Gedanken verraten haben. Hinter mir sagte ein mittelaltes Pärchen in mütterlichem Ton: „Oh, eine Störung! Ach, das tut uns aber leid!“ Ja, mir auch, vielen Dank!

 

Automatennummer notiert, schwerstens innerlich im Quadrat springend ging ich also an der gesamten Schlange vorbei (Kein einziger Einspruch! Was hatten sie inwischen mit den Leuten angestellt?) zum gerade frei werdenden Schalter und erklärte das Übel kurz. Was tat die Dame daraufhin? Sie entzifferte die Infos auf den Reservierungskarten und schrieb sie mir mit Kuli hinten auf das Ticket. „Dit müssen Se wissen. Mehr nisch. Dann noch nen schönen Tach.“ Ich war leicht verwundert. „… und was ist mit dem Wechselgeld, das der Automat gegessen hat? Und so eine Fahrkarte nimmt irgendein Kontrolleur an?“ – „Wie? Wat’n für’n Wechseljeld?“ Ich erklärte die Situation also erneut und bekam daraufhin einen Rückerstattungsantrag in die Hand gedrückt. „Dit wird ausjefüllt und so.“ Und so. Ich füllte es also aus und bemerkte, man könne ja ein Schild an den Automaten heften, damit nicht jeder reinkommt und das Prozedre über sich ergehen lassen muss. „Nönö.“

 

Ich bekam mein Wechselgeld tatsächlich ausgezahlt – etwa eine halbe Stunde später – und durfte mit meinen verschmierten Fahrscheinen zurück hinaus ins Leben. Die nächsten betuppten Kunden stürmten bereits erzürnt das Reisezentrum. Bei meiner finalen Verabschiedung versuchte ich es erneut: „Das muss ja nur ein kleiner Post-it sein.“ – „Welcher is’n dit?“ – „Der da hinten“, sagte ich und zeigte wie ein kleines Kind in die Ferne. Die Dame bewegte ihren Kopf ein Stück weit in die Richtung und schien die Entfernung abzuschätzen. „Nönö.“

 

Thank you for choosing Deutsche Bahn.

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Written by laurareinkens

August 15, 2013 um 4:16 pm

Veröffentlicht in Uncategorized

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2 Antworten

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  1. Ich weiß nich wo Dein Problem is. Ich fahre seit über 7 Jahren alle 14 Tagen mit der Bahn hin und her und der Sparpreis z.B. Bielefeld-Berlin kostet 21,75€ … kulant sind se und haben mich bisher immer ans Ziel gebracht, egal wie schwierig es schien …

    Patrick Pohl

    September 7, 2014 at 3:31 pm


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