laurareinkens

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Archive for September 2013

Kontrollen beim Auswärtsspiel in Leverkusen – Vereinsliebe bis unter den BH

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Am Sonntagmorgen zeigten sich in den sozialen Medien einige Hannover-Fans entrüstet über die Kontrollen an der BayArena zum Spiel Bayer Leverkusen gegen Hannover 96. Weiblichen Gästefans sei direkt und ohne Vorankündigung unter den BH gefasst worden, andere berichteten, dass ihnen in den Schritt gegriffen wurde. Auf Nachfrage sei die Erklärung „wegen Pyro“ gekommen, wie bei Twitter und später im Mailaustausch erklärt wurde.

Auch Frauke, 21, war zum Auswärtsspiel der Hannoveraner nach Leverkusen gereist und fand sich zunächst im ganz normalen Gästefans-Alltag wieder. „Die Kontrollen dauerten lange, sodass ich mich zunächst anstellen musste, um kontrolliert zu werden“, erklärte sie mir am Tag darauf. „Als ich schließlich an der Reihe war, erfolgte das übliche Prozedere. Tasche öffnen, Inhalt herausnehmen, Portemonnaie öffnen, Inhalt der Fächer zeigen. Auch die Schlüssel und das Handy wurden genau begutachtet.“

„Anschließend begann das Abtasten. Erst die Arme, dann der Oberkörper. Üblicherweise tasten die Ordnerinnen dabei nur die Konturen des Körpers ab; in Leverkusen ging man diesmal noch einen Schritt weiter“, fuhr Frauke fort. „Bevor ich wusste, wie mir geschah, griff die Ordnerin ohne Vorwarnung an der Stelle des Mittelstegs – also zwischen den Brüsten – unter den BH und tastete auch den Rest des Unterbrustbands genau ab.“

„Ich war nicht wirklich überrascht“, resümierte sie später. „Man kennt die strengen Kontrollen für Gästefans; vor drei Jahren mussten die Frankfurterinnen sich vorm selben Stadion in eigens errichteten Zelten sogar fast komplett entblößen. Dennoch geht die BH-Kontrolle aus meiner Sicht einen Schritt zu weit. Es gibt kaum ein unangenehmeres Gefühl, als sich von Fremden an den intimsten Stellen des Körpers abtasten zu lassen – und das alles nur, weil vermutet wird, dass irgendjemand Aufkleber oder Pyrotechnik mit ins Stadion schmuggeln könnte.“

„Anschließend wurden Bauch, Rücken, Beine, sogar die Gesäßtaschen von vorne und hinten abgetastet. Kaum eine Stelle meines Körpers wurde dabei ausgelassen. Später im Block erfuhr ich, dass auch die BHs anderer Frauen kontrolliert worden waren“, schloss Frauke.

Eine 21-Jährige will Hannover 96 im Stadion anfeuern und wird nach eigenen Angaben bis unter den BH gefilzt. Eigentlich eine Unvorstellbarkeit, die auch Ralf Ziewer, Sicherheits- und Stadionverbotsbeauftragter von Bayer Leverkusen, so in keinster Weise stehen lassen will. Auf meine Mailanfrage von Sonntagvormittag bekam ich bereits am Montagmittag eine klare Antwort: Man habe „alle in diesem Bereich eingesetzten Ordnerinnen und Führungskräfte mit den Vorwürfen konfrontiert“ und weise sie – „insbesondere nach Rücksprache mit den 3 weiblichen Mitarbeiterinnen“ – ganz „entschieden zurück.“

Auch den Absatz der nachvollziehbaren Stellungnahme schickte Herr Ziewer direkt mit: „Zur Einlassphase hatte Herr ….. die Personenkontrolle unter Beobachtung und im direkten Umfeld kam es zu keinerlei Beschwerden oder Klagen diesbezüglich. Die Ausführung einer Personenkontrolle erfolgt immer mit einer deutlichen Anweisung, wie z.B.: ‚Schönen guten Tag, ich führe eine Personenkontrolle durch, könnten Sie bitte Ihre Jacke öffnen.‘

Es wird kein Gast ungefragt oder unsittlich angefasst, besteht der akute Verdacht unzulässiger oder verbotener Gegenstände, ermöglicht der Container im [sic!] Gast eine Leibesvisitation, die aber auch nur mit einer Zustimmung durchgeführt werden kann.“

So weit sind die Regeln bekannt. Bezüglich der akuten Vorwürfe findet sich die folgende Aussage:

„Dass weibliche Gäste in den Schritt gefasst werden, kann höchsten beim Abtasten der Oberschenkel/Beine Innen&Aussen durch eine kurze unabsichtliche Berührung mit dem Handrücken erklärt werden, eine Kontrolle des Büstenhalter oder Brust wird nicht durchgeführt.“

Die Aussagen der betroffenen Fans stehen im Widerspruch zu den Aussagen des Sicherheitsbeauftragten. Frauke ist sich jedenfalls sicher: „Als Fußballfan steht man unter Generalverdacht und muss, wenn man denn ins Stadion möchte, anscheinend jede Art der Kontrolle über sich ergehen lassen.“

Written by laurareinkens

September 30, 2013 at 2:41 pm

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Premier League kämpft gegen Homophobie – mit Schnürsenkeln

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„Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich einem Spieler noch nicht guten Gewissens zu einem öffentlichen Coming-Out raten.“ Das sagte Reinhard Rauball Ende Juli gegenüber der SportBild. Oliver Kahn schlug vor etwa einer Woche gegenüber der Gala in die gleiche Kerbe: Zwar sei Homosexualität an sich inzwischen „keine große Sache mehr“ – puh, Glück gehabt – „aber es wäre blauäugig, davon auszugehen, dass es im Profisport genauso ist. Ein Spieler, der sich outet, steht jeden Samstag im Stadion vor den gegnerischen Fans.“

Mit einer Kanzlerin, die sich beim Gedanken an ein glückliches schwules Pärchen mit einem oder gleich mehreren Adoptivkindern „nicht so ganz wohlfühlt“ und großen Persönlichkeiten im Sport, die die Sache mit der offenen Homosexualität im Profifußball nun auch nicht so ganz sehen, fragt man sich, welches Jahr wir eigentlich schreiben. Einen tollen Einfall hatten nun eine Aktivisten-Gruppe aus England und ein Wettanbieter, um dem Thema die Öffentlichkeit zu geben, die es verdient.

Stonewall, eine Gruppe, die sich seit 1989 in England für LGBT-Rechte einsetzt, hat sich mit Wettanbieter Paddy Power zusammengetan, um an diesem Wochenende ein Zeichen zu setzen! Durch die Kampagne „Right Behind Gay Footballers“ (#RBGF) soll die allgemeine Akzeptanz für schwule Fußballer bei den Fans, den Vereinen und in der Gesellschaft allgemein gefördert werden. Ein Hashtag lässt sich schwer auf den Rasen bringen, daher haben Stonewall und Paddy Power Schnürsenkel entworfen, die im eindeutigen Regenbogen-Design daherkommen.

Diese Schnürsenkel wurden an alle 134 Klubs in UK und damit an mehr als 5000 Fußballer geschickt, um ein Zeichen zu setzen, dass Homophobie in ihrem Sport keinen Platz haben darf. Everton hat sich als erster Verein zurückgemeldet und angekündigt, dass sie die Rainbow Laces am Samstagnachmittag bei West Ham tragen werden. Paddy Power wirbt inzwischen sogar mit tollen Aussagen von Jagielka & Co. Ein Beispiel:

rainbow

Quelle: @paddypower

Der Sprecher von Paddy Power sagte zur Aktion: „We love football but it needs a kick up the arse. In most other areas of life people can be open about their sexuality and it’s time for football to take a stand and show players it doesn’t matter what team they play for. Fans can show they are right behind this by simply tweeting using the #RBGF hashtag whilst all players have to do is lace up this weekend to help set an example in world sport.“

Auch Joey Barton hat bereits Bilder von sich und seinen Rainbow Laces getwittert, Gary Lineker wird beschnürsenkelt Match Of The Day moderieren. Welche Vereine sich – vielleicht sogar geschlossen – an der Kampagne beteiligen werden, wird der nun kommende Spieltag zeigen. In jedem Fall bleibt die Hoffnung, dass #RBGF den Erfolg haben wird, der sich glücklicherweise schon abzeichnet, und ein ähnliches Format vielleicht auch bald die Rauballs und Kahns davon überzeugen kann, dass es nicht die Gesellschaft ist, die Homosexualität im Fußball nicht annimmt, sondern etwaig Leute wie sie, die durch immer neue negative Aussagen das Rad der Zeit zurück und zurück drehen.

Stonewall Deputy Chief Executive Laura Doughty erklärt ihr Ziel: „It’s time for football clubs and players to step up and make a visible stand against homophobia in our national game. That’s why we’re working with Paddy Power on this fun and simple campaign. By wearing rainbow laces players will send a message of support to gay players and can begin to drag football in to the 21st century.“

Drag football in to the 21st century!

#RBGF

Written by laurareinkens

September 19, 2013 at 12:32 pm

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„Fortuna in der Krise“? – Don’t f°cking panic!

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Ein Fortuna-Fan kam in die Uschi Nation in Kreuzberg und sagte zur gespannt dem Spiel folgenden Meute: „Wat macht ihr denn für Gesichter? Ihr guckt ja, als würden wir zehn zu null hinten liegen.“ Er brüllte laut „Fortunaaaa“, niemand antwortete „Düüüüsseldoorf“. Es waren ein paar Minuten gespielt, es stand 0:0.

Die Fortuna ging in Führung, es wurde lauter, es wurde gejubelt, aber wirklich getraut hat niemand der anwesenden Havelpralinen dem Braten. Auch wir kauten büskisch auf unseren Kaugummis rum, verschlangen die Biere. Das konnte so nicht gut gehen. Es ging nicht gut. Keine zehn Minuten vor Schluss kassierten die Fortunaten den Ausgleich von absolut limitiert auftretenden Dresdnern. Das war es. Gegen den Tabellenletzten keine drei Punkte gesichert. Gut ist anders.

Was allerdings die farbenfrohe Presse am nächsten Tag daraus gemacht hat, geht nun wirklich auf keine Kuhhaut. „Düsseldorf in Not“, „Wackelt Büskens“ und wie sie nicht alle titelten.

Freunde und Kollegen, macht mal einen Punkt!

Wir sprechen von einem Verein, der nicht nur einen direkten Abstieg aus der ersten Liga hinnehmen musste, Fortuna hat sich außerdem vom eingesessenen Trainer getrennt, die Verletzungsmisere hat dazu geführt, dass auf so vielen Positionen notgedrungen gewechselt wurde, dass Büskens bisher nur reagieren musste, kaum agieren konnte.

Genauer formuliert: Wer die Abwehrreihe jede Woche neu aufstellen muss, weil sich Spieler XY verletzt, kann nicht gleichzeitig eine komplett neue Doppelsechs bringen. Auch wenn hier gegen Dresden reagiert wurde und Bodze raus musste – was ich persönlich nicht nachvollziehen kann – und Lumpi vom Flügel neben Fink wechselte. Will man dann zum Beispiel wirklich einen knallfrischen Spieler reinschmeißen, der zuvor kaum Erfahrungen mit der ersten Mannschaft sammeln durfte? Sollte nicht zuerst einmal ein Rhythmus gefunden werden?

Zumal auch vorne nach der Verletzung von Benschop und zuletzt auch noch Kenia erneut reagiert werden musste und Jimmy Hoffer neben Aristide Bancé gegen Dynamo im Sturm auflief. Gianniotas ist bereits durch die zwei Verletzungen von Bellinghausen aktuell fest drin und zeigt, wie man Flanken schlägt und Standards schießt (Halleluja!). Reisinger, das kleine Duracell-Häschen, schlägt Alarm und versucht nimmermüde das Spiel schnell zu machen. Kann man ihm Alleingänge vorwerfen? Ja, wahrscheinlich schon. Da er aber im Vergleich zu ein paar anderen Kandidaten einen guten Abschluss hat, soll er es nach meinem persönlichen Empfinden ruhig probieren. Kann er, wie aktuell zeitweise positionsabhängig gezwungen, den tödlichen Pass spielen? Nein, kann er nicht. Deswegen würde ich aber noch lange nicht auf ihn verzichten wollen.

Bleibt es bei dieser Aufstellung (inklusive Bodzek statt Lumpi, da man ihn wegen ein paar doofen Spielen nicht vergnarzen sollte) und tauscht Bancé gegen Kenia, der auf eine frei interpretierte Zehn geht, sehe ich eine Aufstellung im annähernden 4-2-3-1, die vollkommen funktionieren kann. Voraussetzung für mich ist allerdings, dass das gähnende Kreativloch im Mittelfeld gestopft wird. Gerade Gianniotas und Kenia bieten dem Trainer ein Geschick am Ball, das nun in eingebrannte Spielabläufe übergehen muss. Ich möchte in den nächsten Wochen erkennen, dass ein festes System, eine feste Taktik eingeimpft wird, dass die Spieler wissen, wohin sie wollen, wenn der Ball gewonnen wird. Klingt beinahe kindisch simpel, oder? Wer jedes Fortuna-Spiel schaut, weiß aber, wovon ich spreche.

Den ganz großen Kopf dieser Mannschaft gibt es nicht. Es gibt keinen, dem ich spontan das Prädikat Spielgestalter aufdrücken würde. Dennoch bin ich felsenfest überzeugt, dass bis ins Letzte eingeimpfte Spielzüge der Mannschaft helfen, das Versagen in der gezwungenen Spontaneität zu umgehen.

Stürmer kaufen, damit wieder Tore reinkommen, ist in Fortunas Fall meinem Empfinden nach zu kurz gedacht. Tore müssen durch geordneten Aufbau vorbereitet werden. Dann klappt’s auch mit den Nachbarn, was aktuell den Tabellenkeller bedeutet.

Jetzt allerdings schon die große Panik zu schieben, wäre wirklich verfrüht. Es sind fünf Punkte auf den Relegationsplatz, der diese Saison nicht einmal als Ziel ausgegeben wurde. Schafft Büskens es nun, eine Taktik zu finden, mit der Fortuna zu mehr Abschlüssen und Treffern kommt, wird sich die Lage nicht nur kurzfristig entspannen. Eine Aufbausaison im sicheren Mittelfeld wird dem Verein die Ruhe geben, zur Spielzeit 2014/15 einen adäquaten Werner-Nachfolger zu finden, der haargenau erkennt, auf welchen Positionen nachgebessert werden muss. Klammer auf: Dass man bei einem Schmadtke hätte nachfragen sollen, auch wenn WW noch ein Jahr Vertrag hat, liegt auf der Hand. Diesen ganzen Bereich sollten wir aber lieber beim Bier besprechen. Klammer zu.

Also Mike, auf geht’s! Die Aufgabe ist groß, aber mit den Voraussetzungen im Kader machbar. Triff die unpopuläre Entscheidung und setze Bello und Lumpi auf die Bank, zeig den Jungs, wo das Tor steht und wer überhaupt treffen soll. Hat das Mittelfeld nur erst einen Plan, wird F95 kaum wiederzuerkennen sein.

In ein paar Wochen soll die Uschi beben, wenn nur irgendjemand „Fortuuunaaa“ brüllt.