laurareinkens

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#WeidenfellerfürD – Ja, ernsthaft!

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Roman Weidenfeller wird erstmals für Deutschland spielen – ja, richtig, ich gehe ganz klar von einem Einsatz aus, dazu später mehr. Die Nominierung des 33-Jährigen für die Spiele der deutschen Nationalmannschaft gegen Italien und England verbreitete sich wie ein Lauffeuer auf Twitter. BVB-Fans feierten die überfällige Einladung, die Fans der anderen Vereine redeten diese Tatsache schnell klein. Man habe ja noch ter Stegen, Zieler und Adler. Da sei ja gar kein Platz für den Oldie aus Westfalen. Denkste! Lasst uns mal kurz zusammen nachdenken.

Wir nehmen einmal den Fall an, dass sich Manuel Neuer vorm Turnier verletzt – das wünschen wir keinem, nur ein Gedankenspiel (und Neuer andersherum nicht ganz fremd). Dann steht die deutsche Nationalmannschaft mit oben genannten Keepern da. Wen sollte Löw ins Tor stellen und wem noch einmal auf die Schulter klopfen vor Anpfiff? Sollte Manuel Neuer ausfallen, werden alle Karten der bestehenden Personalmöglichkeiten neu gemischt. Dann gilt nicht mehr die gegebene Hierarchie des ersten und zweiten Ersatzmannes. Dann braucht es Leistung auf den Punkt – im schlimmsten hier vorausgesetzten Verletzungsfall für ein gesamtes Turnier.

Mit Roman Weidenfeller könnte sich die Chance bieten, dass ein Torwart zwischen den Pfosten steht, der nicht nur durch endlose Jahre als Profi seine Erfahrungen gesammelt hat, er hat gerade in den letzten Jahren einen derartigen Schub bekommen, dass es kaum auszuhalten ist. Was hat er allein in den vergangenen Champions-League-Saisons schon für Borussia Dortmund rausgeholt. Man erinnere sich nur an die ersten 15 Minuten im Bernabeu im Halbfinale gegen Real Madrid. Es war zum Niederknien! Von den Ligaspielen wollen wir gar nicht erst anfangen.

Dass er die Klasse hat, für Deutschland jederzeit spielen zu können, dürfte bis in den letzten Winkel der Bundesrepublik inzwischen bekannt sein. Für Löw bietet sich zusätzlich die Möglichkeit, mit einer Nominierung und sogar mit etwaigen Einsätzen später kein Fass aufzumachen. Manuel Neuer ist unangefochten die Nummer Eins. Das will ja niemand ins Wanken bringen. Hier stellt sich die Frage, wer im Notfall ein guter Ersatz wäre und nicht sofort an Neuer rütteln möchte. Dafür dürfte Weidenfeller mit seinen bescheidenen Aussagen in Bezug auf die Nationalmannschaft einfach genau der Typ sein.

Es sei „sein Traum“, sagte er 2011 im Interview mit dem Kicker. Aber das Kapitel sei für ihn beendet. Er forderte nichts, er hoffte wahrscheinlich insgeheim und nun ist es plötzlich doch so weit. Jetzt wurde das Kapitel von außen aufgeschlagen. Dabei sein dürfte für ihn aber alles sein. Ein Highlight, das er neben all den anderen Glorien wohl gerne mitnehmen wird, und danach wie selbstverständlich wieder den Platz räumen würde.

Die Fußballfans im In- und Ausland amüsierten sich auch letzte Saison über „den besten Torhüter der Welt, der nicht für sein Land spielt“, als zum Finale der Champions League der globale mediale Fokus in den letzten Tagen vorm entscheidenden Spiel nur noch auf München und Dortmund gerichtet war. Weidenfeller nahm es gelassen. Finale der Champions League. In Wembley. Gegen die Freinde aus München. Was will ein Torhüter denn mehr? Das sind Punkte, die sich einfach sensationell im Lebenslauf lesen. Welche anderen unserer Ersatzkeeper können in letzter Zeit oder überhaupt (!) solche Spielzeiten mit solch massivem Druck vorweisen?

Eben.

Und wenn er in Punktspielen nicht zum Einsatz käme? Als ob Weidenfeller den Mund aufreißen würde! Das macht seine Ausgangslage ja gerade so einmalig. Weidenfeller geht noch einmal auf Tour, kann sofort aushelfen, falls er gebraucht wird und lässt den anderen ohne Murren den Vortritt, wenn ihr Name weiter oben steht.

Jetzt, diesen November, sollte er allerdings mindestens eine Halbzeit, wenn nicht gar ein ganzes Spiel zum Einsatz kommen. Ob nun gegen Italien oder England – die Höflichkeit und der Respekt vor seinen herausragenden Spielen vor dieser späten ersten Nominierung im Herbst seiner Karriere verlangen dies einfach. Ich bin mir sicher, dass Löw & Co. das genauso betrachten.

Persönlich wünsche ich ihm das Spiel gegen England am 19. November in London. Flutlicht, Regen, Kälte, Rooney, Hinschmeißen, Raushauen, Rumbrüllen. Menschenskinder, das wäre doch was!

Written by laurareinkens

November 8, 2013 at 12:16 pm

Ein vielköpfiges Kompliment – So lasset sie doch feiern!

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Heute habe ich einen neuen Begriff gelernt: „Anjas und Tanjas“. Mir wurde verkauft, so würden junge Frauen genannt, die zu einem Fußballspiel oder einer Übertragung mit „Eventcharakter“ gehen. Und scheinbar dürfen sie das nicht, weil es Leute gibt, die sich für bessere Fans halten.

Wir lassen den ganzen Bereich der dringendst zu erwähnenden sexistischen Kackscheiße jetzt mal außen vor und behandeln das Thema so, als wären Anja und Tanja zwei Personen und kein Schlagwort. Es gibt also Leute, die sich zu Turnieren oder wie jüngst zum Champions-League-Finale aufmachen, ein bisschen rot-weiß oder schwarz-gelb anmalen und den Abend lustig gestimmt mit vielen anderen verbringen wollen. Dabei werden sie ein paar Biere trinken, rumgrölen, singen und im Bestfall am Ende jubeln. Schock, schwere Not! Oder sie leben in einer Stadt, deren Verein nach 15 Jahren Erstilga-Abstinenz den Weg in die 1. Bundesliga gemeistert hat, hängen ein Fähnchen raus und gehen mal ins Stadion. Um Himmels Willen!

Warum sollte es mich berühren? Warum sollte ich mich derart echauffieren, dass ich einen langen Blogartikel unter Anderem dazu verfasse? Wenn es zum ersten rein deutschen Finale der Champions League in Berlin eine Fanmeile gibt, sollen sie doch. Dann kann man sich sicher sein, dass Anja und Tanja ein wenig viel für ihr Bier zahlen müssen, aber die große Sause bekommen sie bestimmt geboten. Für mich ist das nichts, aber das muss es ja auch nicht. Jeder darf den Fußball auf die Art und so oft erleben, wie er oder sie es für sich für richtig hält.

Abstrakter gefragt: Warum sollte ich einen anderen Menschen im Erleben eines Sports beurteilen? Diese als „Eventies“ im oben verlinkten Artikel verunglimpften Fans haben Spaß an einem großen Spiel, an einer großen Saison eines Vereins. Sie gehen nicht den ganzen Weg mit, nein, aber sie haben sich ihr Ticket gekauft, stehen oder sitzen neben einem im Stadion und kauen auch an den Nägeln, wenn Bellinghausen die Sache mit den Flanken erneut probiert. Sie jubeln mit mir, falls es denn mal klappt. Sie finden das ganze Unterfangen in dem Moment genauso spannend wie ich. Will ich über mögliche Wechsel sprechen, drehe ich mich eben nach links zu meiner Begleitung und tausche mich da aus.

Mir mangelt es an diesem absoluten Überlegenheitsgefühl, andere abstempeln zu dürfen. Ich verfolge einen Verein auf diese Art, ein anderer nimmt es eben nicht so wichtig und kommt und geht. Erneut: Was daran sollte mich stören? Dass es in einem guten Jahr mehr Fans gibt? Dass der Verein mehr im Fokus steht? Das sind für den Verein – und wir sprechen hier doch immer noch über den Sport? – positive Faktoren! Ein vielköpfiges Kompliment, wenn man so will.

Diese Fans bringen dem Verein übrigens Geld. Sehr viel sogar. Das würde ich nicht ansprechen, wenn es nicht so viele „ganz richtige Fans“ gäbe, die beispielsweise mit ihren Pyro-Aktionen Monat für Monat ihrem so geliebten Verein zur bloßen Selbstdarstellung auf der Tasche liegen. Da ist mir der mitklatschende Herr hinten links lieber, bin ich ehrlich. Sie nehmen sich nichts heraus, nur die Tatsache, dass sie zu Oberligazeiten lieber am Rhein spazieren waren. Sollten sie mit dem Abstieg verschwinden, haben sie trotzdem ganz viele wahnsinnig tolle Momente in der ausverkauften Esprit Arena erlebt. Vielleicht sieht man sich ja wieder, wenn die Fortuna wieder oben ist. In der Mehrheit waren sie sowieso nie.

Was auch immer Anja und Tanja dazu bewegt, Samstagabend auf die Fanmeile zu gehen – wenn es ihnen zum Grund reicht, habe ich nichts in Frage zu stellen. Es gibt keinen „richtigen“ Fan. Es gibt viele Interessierte, die ihr Herz für immer oder nur für ein Jahr verschenken. Wieso sollte ich darüber urteilen? Warum sollten sie mich in meinen Kreisen stören? Wenn die Nachfrage besteht, eine Fanmeile zu öffnen, hat sich diese ganze Diskussion doch schon gegessen. Anja und Tanja wollen eine Fußballparty, wieso macht das das Leben der sich selbst als richtig einordnenden Fans so schwer? Der Fußball soll frei sein, frei bleiben.

Ich weiß, dass ich schon dreimal mehr Spiele gesehen habe als viele andere. Ich kenne mich mit den Regeln ziemlich gut aus und informiere mich täglich fünfmal, ob es Neuigkeiten gibt. Mein Geld verdiene ich sogar bei einer internationalen Fußball-Plattform. Ich bin drin – im Sport. Ich trage allerdings kein Polohemd mit Ultras-Symbolen, bin nicht jedes Wochenende im Stadion, weil ich in Berlin wohne, gehöre keiner Gruppierung an und tue mich manchmal schon mit der einen oder anderen Fankneipe schwer.

Was bin ich dann?

Written by laurareinkens

Mai 28, 2013 at 5:27 pm