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Döner in Kreuzberg am Meer

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„Mit Soße?“, fragte der Dönerverkäufer gestresst. Er sprach es aus, wie viele Menschen es leider auch schreiben: hart, unästhetisch, mit o und ß. „Kräuter und scharf, bitte“, antwortete ich und wunderte mich noch, wo genau der Stress herkam. Mutterseelenallein stand ich vor seiner Theke und stellte mir meinen Dönergiganten zusammen. „Knoblauchsoße?“ – „Nein, nur Kräutersauce und scharfe Sauce. Besten Dank.“

Die Löffel schmierten das Bestellte auf das getoastete Fladenbrot. Ich hielt meinen rubinroten Multisaft in sagenhafter Erwartung eng umklammert. Fleisch wurde ins Brot geschaufelt. Mit der Hand geschnitten, nicht mit dieser fürchterlichen kleinen elektrischen Säge, die dem zermalmten Tier am Spieß die letzte Würde raubt. „Salat?“ War er mürrisch? Oder erinnerte er sich an das letzte Mal, als der Döner kaum noch zu fassen war wegen all meiner Extrawünsche?

„Ja, bitte. Salat, Rotkohl, Zwiebeln, Tomate und Gurken.“ Kurz wartete ich, beobachtete, ob er auch großzügig mit den Tomaten war, dann schob ich hinterher: „Und Mais und Paprika und Schafskäse, bitte.“ Ein Seufzer entwich dem Herrn hinter der Theke. Er hatte sich wahrscheinlich wirklich an mich erinnert und fragte sich nun, wo er all das unterbringen solle. Mir war’s schnuppe, ganz ehrlich.

Mit beiden Händen das Dönermonstrum umklammernd, Multisaft in der Jackentasche, lief ich mampfend die Reichenberger runter. Blieb beim Edeka stehen und schaute mir die Plakate an, die ambitionierte Menschen dort immer wieder anbringen. Mit welch einem unerbittlichen Willen sie Jahr ein, Jahr aus zur Revolution aufrufen. „Be prepared!“ steht da. Und „Free XY“ – irgendeiner sitzt ja immer gerade ein. Dann und dann ist „Bullendemo“ da und da und „Mieten runter, ihr Schweine!“ Kinder, da habe ich nix mit zu tun. Und den Vermietern geht es höchtwahrscheinlich so wie mir im Dönerladen. Ich kann mir all das bestellen, dann tue ich es auch. Wie der Herr es ins Brot kriegt, interessiert mich nicht. Aber diese Plakate draußen am Edeka Scholz wird er wohl nicht lesen, euer Vermieter. Aber ist ja richtig, irgendeiner muss ja was sagen, sonst wird aus Kreuzberg am Meer ein weiteres Prenzlberger Blödi-Schwippschwapp mit Sojasahnehäubchen.

Ich schaute mir das kleine Häufchen Dönersachen an, das ich während des Studierens verloren hatte, und setzte meinen Weg fort. Am Arm baumelte die Apothekentüte. Die Angestellten in der Apotheke müssen mich lieben. Ich bin wahrscheinlich die eine von zwanzig Kunden/-innen, die nicht Augentropfen bestellt. Warum eröffnet man eine Apotheke direkt am Görlitzer Park? Ich möchte beim Eintreten immer laut schreien: „Bitte bedienen Sie mich ernsthaft, ich kiffe nicht und habe kein Interesse an Ihren Augentropfen.“

Wirklich gut gelaunt sind die Fachapotheker auch selten und propfen immer alle Einkäufe in diese kleinen, fludderigen Tütchen, die weder ausreichend verbergen, was man gerade gekauft hat, noch wirklich Halt bieten. Hallo Welt, ja, richtig, ich habe Regelschmerzen. Hallo Welt, nein, ihr macht euch kein Bild, wofür ich diese Salbe jetzt brauche. Mit Aspirin und Nebenhöhlenquatsch schockiert man ja niemanden mehr heutzutage, also konnte es mir egal sein und mein Döner und ich steuerten zurück in Richtung Heimat.

Man sagt, dass in Cheeseburgern der Marke mit dem großen M Süchtigmacher seien, die einem genug Heißhunger machen, dass man direkt den nächsten hinterher essen will. Diese Menschen haben scheinbar noch nie einen Döner von Siribom auf der Reichenberger gegessen. Kinder, ich sage euch, was Besseres gibt es nicht. Mit Finger ablecken und allem – aber nur, wenn keiner hinguckt.

Dieser Eintrag ist Stefan aus Dortmund gewidmet, der sich gestern einen Döner von mir wünschte, den ich danach kaufen ging und ganz allein aufaß, weswegen er mich noch heute „Eumel“ nennt.

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Written by laurareinkens

März 18, 2014 at 5:18 pm