laurareinkens

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Döner in Kreuzberg am Meer

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„Mit Soße?“, fragte der Dönerverkäufer gestresst. Er sprach es aus, wie viele Menschen es leider auch schreiben: hart, unästhetisch, mit o und ß. „Kräuter und scharf, bitte“, antwortete ich und wunderte mich noch, wo genau der Stress herkam. Mutterseelenallein stand ich vor seiner Theke und stellte mir meinen Dönergiganten zusammen. „Knoblauchsoße?“ – „Nein, nur Kräutersauce und scharfe Sauce. Besten Dank.“

Die Löffel schmierten das Bestellte auf das getoastete Fladenbrot. Ich hielt meinen rubinroten Multisaft in sagenhafter Erwartung eng umklammert. Fleisch wurde ins Brot geschaufelt. Mit der Hand geschnitten, nicht mit dieser fürchterlichen kleinen elektrischen Säge, die dem zermalmten Tier am Spieß die letzte Würde raubt. „Salat?“ War er mürrisch? Oder erinnerte er sich an das letzte Mal, als der Döner kaum noch zu fassen war wegen all meiner Extrawünsche?

„Ja, bitte. Salat, Rotkohl, Zwiebeln, Tomate und Gurken.“ Kurz wartete ich, beobachtete, ob er auch großzügig mit den Tomaten war, dann schob ich hinterher: „Und Mais und Paprika und Schafskäse, bitte.“ Ein Seufzer entwich dem Herrn hinter der Theke. Er hatte sich wahrscheinlich wirklich an mich erinnert und fragte sich nun, wo er all das unterbringen solle. Mir war’s schnuppe, ganz ehrlich.

Mit beiden Händen das Dönermonstrum umklammernd, Multisaft in der Jackentasche, lief ich mampfend die Reichenberger runter. Blieb beim Edeka stehen und schaute mir die Plakate an, die ambitionierte Menschen dort immer wieder anbringen. Mit welch einem unerbittlichen Willen sie Jahr ein, Jahr aus zur Revolution aufrufen. „Be prepared!“ steht da. Und „Free XY“ – irgendeiner sitzt ja immer gerade ein. Dann und dann ist „Bullendemo“ da und da und „Mieten runter, ihr Schweine!“ Kinder, da habe ich nix mit zu tun. Und den Vermietern geht es höchtwahrscheinlich so wie mir im Dönerladen. Ich kann mir all das bestellen, dann tue ich es auch. Wie der Herr es ins Brot kriegt, interessiert mich nicht. Aber diese Plakate draußen am Edeka Scholz wird er wohl nicht lesen, euer Vermieter. Aber ist ja richtig, irgendeiner muss ja was sagen, sonst wird aus Kreuzberg am Meer ein weiteres Prenzlberger Blödi-Schwippschwapp mit Sojasahnehäubchen.

Ich schaute mir das kleine Häufchen Dönersachen an, das ich während des Studierens verloren hatte, und setzte meinen Weg fort. Am Arm baumelte die Apothekentüte. Die Angestellten in der Apotheke müssen mich lieben. Ich bin wahrscheinlich die eine von zwanzig Kunden/-innen, die nicht Augentropfen bestellt. Warum eröffnet man eine Apotheke direkt am Görlitzer Park? Ich möchte beim Eintreten immer laut schreien: „Bitte bedienen Sie mich ernsthaft, ich kiffe nicht und habe kein Interesse an Ihren Augentropfen.“

Wirklich gut gelaunt sind die Fachapotheker auch selten und propfen immer alle Einkäufe in diese kleinen, fludderigen Tütchen, die weder ausreichend verbergen, was man gerade gekauft hat, noch wirklich Halt bieten. Hallo Welt, ja, richtig, ich habe Regelschmerzen. Hallo Welt, nein, ihr macht euch kein Bild, wofür ich diese Salbe jetzt brauche. Mit Aspirin und Nebenhöhlenquatsch schockiert man ja niemanden mehr heutzutage, also konnte es mir egal sein und mein Döner und ich steuerten zurück in Richtung Heimat.

Man sagt, dass in Cheeseburgern der Marke mit dem großen M Süchtigmacher seien, die einem genug Heißhunger machen, dass man direkt den nächsten hinterher essen will. Diese Menschen haben scheinbar noch nie einen Döner von Siribom auf der Reichenberger gegessen. Kinder, ich sage euch, was Besseres gibt es nicht. Mit Finger ablecken und allem – aber nur, wenn keiner hinguckt.

Dieser Eintrag ist Stefan aus Dortmund gewidmet, der sich gestern einen Döner von mir wünschte, den ich danach kaufen ging und ganz allein aufaß, weswegen er mich noch heute „Eumel“ nennt.

Written by laurareinkens

März 18, 2014 at 5:18 pm

Distanz, bitte!

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Am Sonntag schlurfte ich am Edel-Spätkauf auf der Reichenberger vorbei und winkte dem Besitzer des Ladens, der sich scheinbar fürchterlich freute, mich an diesem grauen Tag zu sehen (ich war unanständig bunt angezogen). In Rededistanz vor seiner Tür fragte er nach dem dumm-dusseligen Austausch von Wünschen zum neuen Jahr: „Junge Frau (mein gängiger Spitzname), hast du ein Aspirin dabei?“ – „Hm. Muss ich mal gucken.“ Nase, Brille und schließlich auch die Augen kämpften sich am monströsen Schal vorbei. Ich blickte in meine Tasche, schüttelte allerhand Kram von rechts nach links. „Nee, tut mir leid, aber so Tabletten für die Nebenhöhlen. Hilft das?“ – „Nein, ich hab nur Kopfschmerzen.“ – „Naja, trink mal ein großes Glas Wasser, das hilft ja manchmal auch schon.“ – „Mach ich, mach ich. Tschüss!“ – „Tschö!“

Diese Situation verfolgte mich noch bis zum Schawarma-Laden. Ein Mann, der sich höchstens mal mit mir über lächerliche Kicker-Titel austauscht, mir meine Zigaretten nur verkauft, wenn ich in der Uschi bin, würde einfach so Medikamente von mir annehmen. Gut, klar, ein angelutschtes Aspirin hätte er wohl nicht genommen, dennoch bewunderte ich sein Vertrauen. Auf mein Makali wartend wurde ich jäh aus meinen Gedanken gerissen. „Wohnst du hier in der Nähe?“, fragte mich der Schawarma-Verkäufer betont beiläufig, als ginge es um die ewige „Alles komplett“-Frage. Ich schob die Unterlippe vor.

Seit nunmehr hundertdrölfzig Monaten kaufte ich ihm Schawarma, Falafel, Makali, Kibbe und den ganzen Rest ab, lungerte zu unsäglichen Zeiten mit flehendem Blick in seiner Lokalität herum, bis ich endlich mit Gemüse und Zitronensprudel gesegnet nach Hause trotten durfte, und er fragte mich, ob ich in der Nähe wohne. Bei allem Respekt – in den nächsten Bezirk würde ich für sein Schawarma nicht fahren. Aber das war nicht mein eigentliches Problem in dieser Situation. Ein mehr oder weniger fremder Mann fragte mich, wo ich wohne.

Ich würde kein Aspirin aus einer fremden Handtasche annehmen. Ich erzähle einem fremden Mann, der dem ersten Anschein nach dreieinhalb Mal so stark ist wie ich, nicht, wo ich wohne. Ich hob also den Finger und machte undeutliche Gesten in drei Richtungen gleichzeitig. „Ja, da so.“ Dann guckte ich schnell wieder aus dem Fenster hinüber zum Mini-Spar, der an diesem Sonntag geöffnet hatte, obwohl keiner wusste, warum sie sich das antaten. „Ah.“ bekam ich als Antwort. Ich nickte in die Ferne und horchte, ob er schon beim Rollen der kleinen Gemüseköstlichkeit war.

Mit Sprudel und Makali in der Tasche zottelte ich nach Hause, zog die Mütze tief in die Stirn und ärgerte mich über die gesamte Situation. Eben weil ich seit so langer Zeit Schawarma, Falafel, Makali, Kibbe und/oder den ganzen Rest bei ihm kaufte, zu unsäglichen Zeiten mit flehendem Blick vor seiner Theke stand, um glücklich mit Zauberessen wiederbelebt zu werden, wollte er nur ein einziges Mal mehr als „Vorsicht, scharfe Sauce heute extra scharf“ autauschen. Und was mache ich Trottelchen?

Ich fürchte um mein Leben.

Beim nächsten Mal wird alles anders. Ich schmeiße jedem nur halbwegs Bekannten ein Asprin entgegen, werde fremde Menschen um Lutschbonbons oder das Benutzen ihres Deo-Rollers bitten und dann kommt mein großer Auftritt. Ich werde einen Dreikombiteller beim Schawarma-Mann mit Allem bestellen, sodass er bestimmt zehn Minuten zu tun hat, und dann, liebe Freunde, werde ich mal ganz genau fragen, wo er herkommt, wo er wohnt, ob er Tee- oder Kaffeetrinker ist und alles, was sonst noch unwichtig bis wichtig ist. „Bist du verheiratet? Ach, freut mich. Fand sie dich auch gleich toll? Seid ihr zum ersten Date ins Kino gegangen? Magst du eigentlich Horrorfilme? Ich finde nur langsame Zombies gruselig, du auch?“

Auch wenn er es einfach nur nett meinte, ich kann das einfach nicht.

Written by laurareinkens

Januar 8, 2014 at 5:00 pm

Späti_Liebe

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Ich muss etwa 62 Meter von meiner Haustür bis zu meinem Späti laufen. 62 glorreiche Meter, die sich fast immer wie ein ganz kurzer Spaziergang anfühlen. Eine große Reklamewand lädt unterwegs zu staunend offenem Mund und gerunzelter Stirn ein. Wo nimmt Amazon dieses Bild eines für ihren Geschmack typischen Studenten her? Ponywelle von Justin Bieber, Skateboard und ein zu enger Pullover. Ich schaue wirklich jedes Mal hoch zu der jeweiligen Reklame und studiere sie auch beim 500. Anblick noch genau. Blinzle, stelle mir Fragen über Gehälter der jeweiligen Agentur-Angestellten, die dem Jungen die Haare komisch geföhnt und ihm ein Skateboard in die Hand gedrückt haben. Meistens rutscht mir dabei eine Flasche Sprudel – meiner sprachlichen Erziehung nach eine Limonade, die kaum gesüßt ist – halb aus dem Arm, abends sitzt ein kleines Bier fest in der Hand.

Auch an diesem nieselig-kalten Donnerstag ging ich vor der Heimkehr noch eben am Späti vorbei. Wieder wollte ich meinen Sprudel einsammeln und ein kleines Bierchen kaufen. Der Absacker war schnell gefunden, mit großen Augen ging ich hinüber zum Kühlschrank mit den diversen türkischen Wassersorten, Zuckerlimos und eben auch der von mir ganz besonders geschätzten Getränkesorte aus dem Hause Spreequell. Durch Zufall fiel mein Blick auf das Verfallsdatum. Zehn Tage drüber. Zehn Tage! Ich schaute mir die nächste Flasche dahinter an – zwei ganze Wochen. Ich räumte alle begutachteten Flaschen wieder rein und griff zur nicht so ganz gern getrunkenen, aber immerhin zweitliebsten Sorte. Ich erstarrte. Wir sprachen nicht mal mehr vom gleichen Monat. Flippste aus.

Ich gönnte dem Gemisch aus Wasser, Traubensaft, Holunder und wahrscheinlich einer Menge Bakterien, die inzwischen eine riesige Party feiern mussten, einen letzten abschätzigen Blick und drehte mich zum Chef an der Kasse um. Er schaute mich fragend an, weil er das große Rumräumen von Frau Kreuzberg offensichtlich nicht verstand. „Was suchst du?“ – „Eine Flasche, die in diesem Jahrhundert noch haltbar war“, antwortete ich halb scherzend, halb bestimmt. „Ja, du hast zu wenig davon gekauft in letzter Zeit. Ich kaufe die nur für dich.“ – „Nee, meinste ernst? Wieso trinkt das denn keiner? Ist doch das beste Alkoholfreie, das du hier im Laden hast.“ Er machte eine Geste, die verriet, dass er sich diesbezüglich offenbar nicht festlegen wollte. Versonnen strich er sich über seinen Bauch, auf dem alle Simpsons auf einer Achterbahn eindeutig richtig Spaß hatten. Mein Blick blieb kurz an seinem T-Shirt hängen, er schaute ebenfalls an sich nach unten und freute sich. Ich freute mich auch, hätte aber gerne mein Getränk gehabt.

Der Chef, in seinen guten Fünfzigern, groß gewachsen, unabhängig von den Simpsons recht jung geblieben, unterbrach unsere jeweiligen, stillen Gedanken und überraschte mich: „Kauf die doch, die sind doch noch gut.“ Ich wusste nicht, wie ich reagieren sollte. Auch sein Handlanger, der leider keine Sprache spricht, die ich verstehe, aber Deutsch oder Englisch ganz gut folgen kann, schaute verwundert auf. „Dir ist klar, dass du einen Euro mehr nimmst als der Supermarkt und das Traubenzeug dazu auch noch im Oktober abgelaufen ist.“ Ja, er nickte und verstand. „Dann nur das eine Bier für dich?“ Ja, nur das eine Bier. „Tschö, schönen Abend“ – „Jo, dir auch!“

Ich stapfte raus und schaute Amazon-Bieber mit Welle und glücklichem „Ick zahl nüschte für Prime“-Lächeln entgegen, zählte meine Schritte bis zur Haustür und fragte mich, wie die Leute irgendwann einmal ohne Spätis ausgekommen sind. Auch wenn die Schrippen nicht die besten sind, Lidl-Aufschnitt mit 200%-Aufschlag verkauft wird, steht da jemand im Großmarkt und denkt: „Der mit der Brille nehm ich noch den Sprudel mit.“ Das ist wahre Verbundenheit. „Kaufst du nicht sonst das Soft Pack?“ Ja, tue ich, vielen Dank. „Willst du zwei Schrippen mitnehmen? Die sind noch heiß!“ Ja, will ich, aber woher wusste er das, von dem mir nicht klar war, dass ich es genau jetzt brauche? Wir jammern über Fußball, wir lachen über die Teenager-Kiffer im Park. Vollidioten.

Das kann Bieber-Amazon nicht. Das können nur Leute aus dem Kiez, in deren Geschäft man morgens und nachts fällt, die einen seit mehr Jahren begleiten als eine Hand Finger hat. Und das alles tun sie, ohne wirklich Teil des eigenen Lebens zu sein. Das muss man erst einmal schaffen. Ich liebe meinen Späti.

Written by laurareinkens

November 28, 2013 at 8:31 pm

„Fortuna in der Krise“? – Don’t f°cking panic!

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Ein Fortuna-Fan kam in die Uschi Nation in Kreuzberg und sagte zur gespannt dem Spiel folgenden Meute: „Wat macht ihr denn für Gesichter? Ihr guckt ja, als würden wir zehn zu null hinten liegen.“ Er brüllte laut „Fortunaaaa“, niemand antwortete „Düüüüsseldoorf“. Es waren ein paar Minuten gespielt, es stand 0:0.

Die Fortuna ging in Führung, es wurde lauter, es wurde gejubelt, aber wirklich getraut hat niemand der anwesenden Havelpralinen dem Braten. Auch wir kauten büskisch auf unseren Kaugummis rum, verschlangen die Biere. Das konnte so nicht gut gehen. Es ging nicht gut. Keine zehn Minuten vor Schluss kassierten die Fortunaten den Ausgleich von absolut limitiert auftretenden Dresdnern. Das war es. Gegen den Tabellenletzten keine drei Punkte gesichert. Gut ist anders.

Was allerdings die farbenfrohe Presse am nächsten Tag daraus gemacht hat, geht nun wirklich auf keine Kuhhaut. „Düsseldorf in Not“, „Wackelt Büskens“ und wie sie nicht alle titelten.

Freunde und Kollegen, macht mal einen Punkt!

Wir sprechen von einem Verein, der nicht nur einen direkten Abstieg aus der ersten Liga hinnehmen musste, Fortuna hat sich außerdem vom eingesessenen Trainer getrennt, die Verletzungsmisere hat dazu geführt, dass auf so vielen Positionen notgedrungen gewechselt wurde, dass Büskens bisher nur reagieren musste, kaum agieren konnte.

Genauer formuliert: Wer die Abwehrreihe jede Woche neu aufstellen muss, weil sich Spieler XY verletzt, kann nicht gleichzeitig eine komplett neue Doppelsechs bringen. Auch wenn hier gegen Dresden reagiert wurde und Bodze raus musste – was ich persönlich nicht nachvollziehen kann – und Lumpi vom Flügel neben Fink wechselte. Will man dann zum Beispiel wirklich einen knallfrischen Spieler reinschmeißen, der zuvor kaum Erfahrungen mit der ersten Mannschaft sammeln durfte? Sollte nicht zuerst einmal ein Rhythmus gefunden werden?

Zumal auch vorne nach der Verletzung von Benschop und zuletzt auch noch Kenia erneut reagiert werden musste und Jimmy Hoffer neben Aristide Bancé gegen Dynamo im Sturm auflief. Gianniotas ist bereits durch die zwei Verletzungen von Bellinghausen aktuell fest drin und zeigt, wie man Flanken schlägt und Standards schießt (Halleluja!). Reisinger, das kleine Duracell-Häschen, schlägt Alarm und versucht nimmermüde das Spiel schnell zu machen. Kann man ihm Alleingänge vorwerfen? Ja, wahrscheinlich schon. Da er aber im Vergleich zu ein paar anderen Kandidaten einen guten Abschluss hat, soll er es nach meinem persönlichen Empfinden ruhig probieren. Kann er, wie aktuell zeitweise positionsabhängig gezwungen, den tödlichen Pass spielen? Nein, kann er nicht. Deswegen würde ich aber noch lange nicht auf ihn verzichten wollen.

Bleibt es bei dieser Aufstellung (inklusive Bodzek statt Lumpi, da man ihn wegen ein paar doofen Spielen nicht vergnarzen sollte) und tauscht Bancé gegen Kenia, der auf eine frei interpretierte Zehn geht, sehe ich eine Aufstellung im annähernden 4-2-3-1, die vollkommen funktionieren kann. Voraussetzung für mich ist allerdings, dass das gähnende Kreativloch im Mittelfeld gestopft wird. Gerade Gianniotas und Kenia bieten dem Trainer ein Geschick am Ball, das nun in eingebrannte Spielabläufe übergehen muss. Ich möchte in den nächsten Wochen erkennen, dass ein festes System, eine feste Taktik eingeimpft wird, dass die Spieler wissen, wohin sie wollen, wenn der Ball gewonnen wird. Klingt beinahe kindisch simpel, oder? Wer jedes Fortuna-Spiel schaut, weiß aber, wovon ich spreche.

Den ganz großen Kopf dieser Mannschaft gibt es nicht. Es gibt keinen, dem ich spontan das Prädikat Spielgestalter aufdrücken würde. Dennoch bin ich felsenfest überzeugt, dass bis ins Letzte eingeimpfte Spielzüge der Mannschaft helfen, das Versagen in der gezwungenen Spontaneität zu umgehen.

Stürmer kaufen, damit wieder Tore reinkommen, ist in Fortunas Fall meinem Empfinden nach zu kurz gedacht. Tore müssen durch geordneten Aufbau vorbereitet werden. Dann klappt’s auch mit den Nachbarn, was aktuell den Tabellenkeller bedeutet.

Jetzt allerdings schon die große Panik zu schieben, wäre wirklich verfrüht. Es sind fünf Punkte auf den Relegationsplatz, der diese Saison nicht einmal als Ziel ausgegeben wurde. Schafft Büskens es nun, eine Taktik zu finden, mit der Fortuna zu mehr Abschlüssen und Treffern kommt, wird sich die Lage nicht nur kurzfristig entspannen. Eine Aufbausaison im sicheren Mittelfeld wird dem Verein die Ruhe geben, zur Spielzeit 2014/15 einen adäquaten Werner-Nachfolger zu finden, der haargenau erkennt, auf welchen Positionen nachgebessert werden muss. Klammer auf: Dass man bei einem Schmadtke hätte nachfragen sollen, auch wenn WW noch ein Jahr Vertrag hat, liegt auf der Hand. Diesen ganzen Bereich sollten wir aber lieber beim Bier besprechen. Klammer zu.

Also Mike, auf geht’s! Die Aufgabe ist groß, aber mit den Voraussetzungen im Kader machbar. Triff die unpopuläre Entscheidung und setze Bello und Lumpi auf die Bank, zeig den Jungs, wo das Tor steht und wer überhaupt treffen soll. Hat das Mittelfeld nur erst einen Plan, wird F95 kaum wiederzuerkennen sein.

In ein paar Wochen soll die Uschi beben, wenn nur irgendjemand „Fortuuunaaa“ brüllt.