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Aus den Fugen geraten? Bunte Schuhe allez!

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Axel, @lostinnippes oder auch dervierteoffizielle.de veröffentlichte gestern seinen sehr gelungenen Artikel „Aus den Fugen geraten“ zum Wahnsinn, der inzwischen nicht mehr nur bei Transfers im heutigen Fußball besteht. Ich lese vielerlei Zeichen ähnlich wie er, möchte allerdings noch in wenigen Punkten andere Perspektiven anbieten. Grundthese: Die Gründe für diesen Wahnsinn sind stärker als die Fußballromantik. Der Prozess ist nicht mehr zu stoppen.

In der Diskussion über Axels Artikel mit anderen Fußballfans fiel immer wieder die Annahme auf, dass alle Summen steigen, weil auch grundsätzlich viel mehr Geld in das Geschäft Sport fließt. Wie teuer sind Trikots inzwischen? Wo zahle ich was für mein Ticket? Das alles sind Peanuts im Vergleich zu Sponsoren-Verträgen und TV-Geldern. Solange mehr Geld fließen wird, werden auch Preise für einzelne Produkte innerhalb des Sports weiter steigen.

Cardiff City hat für die letzte Saison mehr als 76 Millionen an TV-Geldern bekommen. Das ist das Doppelte von dem, was Bayern München bekommen hat. Stelle man sich mal vor. Kommt es uns zu viel vor? Ja. Hätten Liverpool und Manchester City in Spanien für ihre Ligaspiele durch das Anteil-System sogar noch 100 Millionen mehr bekommen? Ja. Das alles kann man verwerflich finden, aufzuhalten ist dieser Prozess allerdings nicht.

Axel forderte, dass die Tickets in europäischen Topligen wieder günstiger werden sollen. Zunächst einmal stimmt man zu, doch welche Auswirkungen hätte dies? Dennis R. aus B. hat – leider nur mündlich – folgende Rechnung zur Diskussion beigetragen: Serie A-Klub, CL-Teilnehmer, Dauerkarten für 2.000 Euro das Stück viertelt die Preise. Würden sie unter allen Umständen viermal so viele Tickets verkaufen? Der Zuschauerschnitt in der Serie A liegt bei knapp mehr als 23.000. In Deutschland, die 1. Bundesliga belegt den ersten Platz des Rankings, liegt dieser bei plus 43.000. Eine Vervierfachung scheint bei diesen Zahlen nicht realistisch. Warum sollten die Klubs dann das Geld aufgeben?

Wir hätten unseren Müttern und Vätern in den 70ern mal erzählen müssen, dass ein langer, treffsicherer Stoßstürmer mal für 32 Millionen zu den Bayern wechseln würde. Mehr als ein Vögelchen hätten wir nicht geerntet. Wo setzen wir also an? Ab wann war das System dem Bauchgefühl nach falsch? Bei Schieber, der für über vier Millionen wechselte? Bei den Zweitliga-Keepern, die fast eine Million im Jahr kassieren? Die Ablösesummen haben sich seit jeher gesteigert. Der letzte Sprung führte eben von Javi Martinez zu Luis Suarez.

Was passiert, wenn Real Madrid diesen Sommer noch Angel Di Maria und Sami Khedira verkaufen sollte? Sie gleichen ihre Transferbilanz zu 14/15 gegen null aus.
Aktuell haben sie zusammen 110 Millionen für Toni Kroos und James Rodriguez bezahlt. 28,5 Millionen haben sie durch Verkäufe bereits eingenommen. Für einen amtierenden Weltmeister wie Khedira kann man 30+ Millionen inzwischen rechnen. Auch Di Maria dürfte sich letzte Saison ganz oben auf die Listen der Top Clubs gespielt haben, bei Real könnte aber genauso die Bank winken. Diese Transfers sind absolut im Rahmen des Möglichen. Und dann? Lupenreines Financial Fair Play. Kiekste ma.

Zu den bunten Schuhen habe ich nichts zu sagen. Schön ist anders, aber wenn man sich die Berliner Jugend so anschaut, läuft auch hier jeder Zweite inzwischen mit den quietschbunten FlyKnits von Nike rum. Unsere Schuhe sind nicht schwarz, meine jetzt gerade Tomaten-Rot. Wollen wir es aus konservativen Fußballwerten den Profis verbieten? Warum denn. Aber hübsch sind die meisten von ihnen nicht, das stimmt natürlich.

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Written by laurareinkens

Juli 24, 2014 at 4:17 pm

Luis Suarez: Da oben und nirgendwo sonst.

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Selten hat der anstehende Wechsel eines Spielers mich so bewegt wie der von Luis Suarez, der allem Anschein nach den Liverpool FC noch in diesem Sommer verlassen wird. Unzählige durchsichtige und undurchsichtige Quellen wollen wissen, dass der FC Barcelona bereit ist, 30 Millionen plus Alexis Sanchez zu bieten.

Alexis Sanchez. Der wird den Reds keinen „Negro“-Skandal, weniger Schwalbenkunstsprünge und erst recht keine gekonnt gesetzten Bisse in die Schultern, Arme, sonstigen Gliedmaßen der Gegner bieten. Ist das nicht zu langweilig? Schmoll-Torres und eben der große Luis Suarez haben in puncto Entertainment den LFC ziemlich weit nach vorn gebracht. Wir haben beide geliebt und gehasst, geschimpft und heimlich gekichert, wenn Suarez wieder einen Freistoß gezogen hat.

Sanchez wird keine 30+ Tore in der Saison schießen. Kein Spieler wird das in den nächsten Jahren bei Liverpool tun. Die 30+-Spieler sind da oben mit den Cristianos und Messis, nicht hier unten bei den Hendersons, Allens und seit neuestem Lallanas. Das passiert einmal im Jahrzehnt – wenn überhaupt.

Wie wird also in die nächste Champions-League-Saison gestartet? Wird es Sturridge richten? Könnte es Sanchez, falls er verpflichtet wird? Diese Fragen sind aktuell nicht zu beantworten. Noch ist der Kader nicht fertig, die Vorlagengeber noch nicht zur Gänze benannt.

Luis Suarez ist aktuell einer der besten Offensivspieler der Welt. Sein Einfluss auf den wiedergewonnen Erfolg von Liverpool würde ich beinahe so hoch einschätzen wie den von Brendan Rodgers. Rodgers hat es geschafft, nach Kenny wieder Struktur in den Kader, den Verein und die Spielweise zu bringen. Suarez hat ihm die Tore geschossen. Ein Traumpaar mit gelegentlichen Zickereien, wie es in allen stürmischen Beziehungen der Fall ist.

Jetzt verlässt Suarez das Team und Rodgers. Wofür? Um da oben mit den anderen zu spielen. Da oben, wo er nicht um die Teilnahme an der Königsklasse kämpft, sondern um den Titel. Da oben, wo er zukünftig mit Iniesta und Messi aufläuft. Da oben, wo das ganze Camp Nou seinen Namen schreit, während über Barcelona die Sonne untergeht. Da oben gehört er hin. Nicht in die kalte, regnerische Novembernacht in Stoke oder sonstwo.

Zum Abschied wird er dem Liverpool Football Club eine vereinsinterne Rekord-Ablösesumme schenken. Im Prinzip schenkte er Liverpool schon die gesamte letzte Saison. Locker hätte er letzten Sommer zu Ibra nach Paris gehen können. Aber er entschied sich für Liverpool und – so ehrlich müssen wir sein – wahrscheinlich eine saftige Gehaltserhöhung.

Also vielen Dank dafür, Luis. Vielen Dank für die Aufopferung auf dem Feld, diese Masse an Toren und fast genauso vielen Vorlagen (!) noch dazu. Vielen Dank für internationalen Glanz zwischen Flanagan und den anderen Schiefgrinsern. Für die Zukunft wünsche ich Dir mehr Unterstützung, was die Kanalisierung Deiner Emotionen auf dem Feld betrifft, mehr Gelassenheit und Ruhe.

Da oben gehörst Du hin.

Written by laurareinkens

Juli 2, 2014 at 12:37 pm